Es
war Steph´s
Geburtstag, als sie ein kleines Päckchen von Nane erhielt und
öffnete. Nane war
eine Freundin ihrer Mutter, sie selbst kannte diese Frau gar nicht, was
also
mochte sie ihr wohl geschickt haben? Neugierig riss sie das
Päckchen auf und es
kam ein kleiner, rosa Teddy zum Vorschein. Wie aus der Karte zu
entnehmen war,
war der Teddy eine "sie" und trug den Namen Pebbles.
"Du
bist ja
goldig", sagte sie zu dem kleinen Teddy, "aber wieso bloß
glauben
alle, mir einen Teddy schenken zu müssen?" "Ich weiss auch
nicht, was
Nane sich gedacht hat, als sie mich nähte", antwortete
Pebbles, "aber
sie muss sehr viele Emotionen gehabt haben, denn ich bin ein kleines,
zerbrechliches Sensibelchen geworden. Ich hatte auch große
Angst vor dem Tag,
an dem ich dich das erste Mal treffen würde, denn ich hab vor
allen Leuten
Angst, die ich nicht kenne, aber jetzt spühr ich deine
Ausstrahlung und weiß,
dass du eine ganz liebe bist und ich keine Angst mehr haben muss."
Steph
sah das kleine Bärchen ungläubig an, "Angst? Vor mir?
Was um alles in der
Welt hat man dir denn da bloß erzählt?" Wenn
Teddybären rot anlaufen
könnten, dann würde es Pebbles genau jetzt tun, aber
leicht rosa war sie ja
sowieso schon, "Nichts hat man mir erzählt. Das ist es ja
gerade, warum ich
Angst hatte. Ich bin wie eine Lupe. Ich muss Liebe empfangen, das ist
mein
Lebenselixier, und diese Liebe, die gebe ich wie durch eine Lupe,
gebündelt und
verstärkt wieder zurück. So eine Art "Echolupe"
eben." Steph
musste grinsen, Echolupe!, so etwas hatte sie ja noch nie
gehört; Ideen hat
diese Pebbles..."Also mit Liebe geben, da werden wir ein kleines
Problem
bekommen", antwortete Steph schließlich etwas nachdenklich,
"denn ich
habe im Moment soviel mit mir selber zu tun, dass ich mich nicht auch
noch um
einen Teddy kümmern kann."
Pebbles
verzog keine
Mine, sondern hüpfte einfach nur auf ihre Hand, "das
allerdings weiß ich,
davon habe ich gehört. Ich bin aber ein ganz kleiner, junger
und unerfahrener
Teddy, der eigentlich nur dazu gemacht ist, dir ein Lächeln
ins Gesicht zu
zaubern; weise Ratschläge geben, das ist nicht so mein Ding.
Deshalb war ich
auch, bevor ich hierher gereist bin, vorher noch im Teddydorf und hab
die
Prim-Bären um Rat gefragt. Ich sage dir, die haben eine ganze
Menge nützliche
Tipps auf Lager. Also hab ich mir gleich mal ein paar Notizen gemacht
und dann
fragt mich doch der Dorfälteste, was ich da machen
würde.
"Na,
Notizen mache
ich mir, damit ich auch weise Ratschläge geben kann", habe ich
gesagt,
worauf er wiederum sagt, dass das Aufgabe der Prim-Bären sei,
und wenn ich es
versuchen würde, so sei ich lediglich eine Kopie eines Prims,
aber kein
original Prim. "Na und?", hab ich gesagt, "eine gute Kopie ist
genauso gut wie das Original. Es gibt sogar Kopien, die besser sind als
das
Original" und weißt du, was er mir geantwortet hat?"
"Nein", seufzte Steph, "das weiß ich nicht, aber ich
fürchte, du
wirst es mir gleich erzählen." Pebbles fuhr, ohne auf diesen
Seufzer näher
einzugehen, fort, "er hat gesagt, ich sollte zu dem Thema Original oder
Kopie
Kiki befragen. Na hat man sowas schon mal gehört? Wer um alles
in der Welt ist
Kiki?" "Kiki ist meine Schwester", nutzte Steph eine kurze
Atempause von Pebbles aus, um darauf zu antworten, "und sag' jetzt
bloß
nichts falsches, Kiki ist nicht nur meine Schwester, sie ist auch
obendrein
eine ganz, ganz liebe. - Ich wollte dich nur mal vorab warnen." Pebbles
sah sie irritiert an, "warum sollte ich denn was falsches sagen? Nein,
bewahre, außerdem bin ich ja auch ein ganz
schüchternes Bärchen, ich rede so gut
wie gar nicht, also, wo war ich doch gleich stehengeblieben? Ach ja,
sie haben
mir dann gesagt, dass jeder das tun sollte, was er am besten kann. Das
gilt
nicht nur für Menschen, das gilt auch für
Teddybären und ich bin ein
Echolupenliebesbärchen, ich gebe Liebe und das kann ich
richtig gut, wirst
schon sehn, ich muss nur ein ganz klein wenig Liebe dafür von
dir empfangen. -
Also, hast du mich jetzt lieb?"
Steph
musst lachen,
"Du hast Recht, du redest so gut wie gar nicht, aber wenn dem so ist,
dann
möchte ich allen Bärchenmachern dieser Welt gleich
mal sagen, dass ich auf ein
Quasselstrippenbärchen nicht neugierig bin - und - , ja ich
hab dich lieb, du
kleiner Quälgeist, oder soll ich
"Echolupenliebesbärchen" sagen?
Außerdem ist es schön, wenn man eine Freundin hat,
mit der man mal reden kann,
auch wenn es nur ein Teddy ist. So dick gesät sind die
Freundinnen bei mir ja
im Moment nicht." Pebbles zog die Mundnähte nach unten, "Also
das
"nur ein Teddy", das hab ich jetzt aber mal
überhört und was
die Freundinnen angeht; sieh es positiv, nur wer in der Not ist,
weiß, wer die
wahren Freunde sind. Außerdem, - man sagt zwar Freunde kann
man sich aussuchen,
in die Familie wird man hineingeboren, aber oftmals findet man gerade
in der
Familie auch wahre Freunde. Die Mama, die Schwester oder aber ein
kleiner,
schüchterner Teddybär, so wie ich einer bin. Ich bin
vielleicht etwas wortkarg,
aber ich bin ein klasse Zuhörer, ehrlich!
So
betrachtet... du hast deine Mum, du hast deine Schwester, jetzt
brauchst du
eigentlich nur noch einen Teddybären." Steph sah Pebbles
verschmitzt an,
"wahrscheinlich hast du Recht, - bis auf den Schluss. Der
Teddybär, von
dem du da sprichst, der braucht doch wohl eher mich, oder?" Pebbles sah
sie von unten aus den Glasaugenwinkeln an, dann antwortete sie
kleinlaut
"Naja, oder eben so, sei doch nicht so pingelig." Nach einer kurzen
Pause fügte Pebbles hinzu. "was meinst du, ob Kiki mir das mit
der Kopie
und dem Original noch mal erklären kann?" "Sicher wird sie
das",
lachte Steph. "und ich werde die Zeit nutzen und ein paar Ohrentropfen
nehmen!"