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Der Ältestenrat war ausser sich vor Empörung und berief sofort eine
Sondersitzung ein. Coco hatte es doch tatsächlich gewagt, einen solchen
Vorschlag dem Ältestenrat zu unterbreiten. Ein Spielcasino im Teddydorf! Das
schlägt doch dem Fass den Boden aus. Man war im Teddydorf stets bemüht, durch
Aufklärung vor solchen Lasterhöhlen zu warnen und jegliches Glücksspiel im Dorf
im Keim zu ersticken und nun das!
Der Ältestenrat war sich schon nach wenigen
Minuten einig. Dieser Vorschlag wird abgelehnt und für diese Frechheit, einen
solchen Vorschlag zu unterbreiten, musste es noch eine entsprechende Sanktion
geben. Sofort schickte man nach Coco, hätte nur noch gefehlt, dass man ihn in
Handschellen herbei gezerrt hätte, und stellte ihn zur Rede. Naja, man nannte es
zumindest so, denn zunächst einmal kam er überhaupt nicht zum Reden, denn der
Ältestenrat schoss ein Feuerwerk aus Beschimpfungen und Vorwürfen ab und schloss
schliesslich mit den Worten, „sag, Coco, was hältst du nun für eine Bestrafung
für dich für angemessen?“ Verständnislos sah Coco den Ältestenrat an. Sicher, er
war sich schon darüber im Klaren, dass der konservative Rat erst einmal
ablehnend der Sache gegenüber stehen würde, aber dass er gleich so extrem
reagierte, hätte er nicht gedacht. „Ehrenbürgerschaft im Tedydorf wäre
vielleicht angemessen, oder aber das Teddyverdienstkreuz“, antwortete er
schliesslich auf die provokative Frage des Ältestenrats, der nach dieser
Dreistigkeit nun sichtlich nach Luft rang.
Coco nutzte diese Gelegenheit um
seinen Vorschlag etwas besser zu erläutern. „Ihr seht das aus nur einer
Perspektive und aus dieser betrachtet, gebe ich euch ja sogar in allen Punkten
Recht, aber jedes Ding hat nun mal zwei Seiten und so eben auch ein
Spielcasino.“ Einer der Mitglieder des Ältestenrates hatte inzwischen wieder
etwas Luft bekommen und fiel ihm mit den Worten „hört, hört, und als nächstes
will er uns heimtückischen Mord als Heldentat verkaufen“ ins Wort. Coco sah ihn
böse an, er konnte ja anderer Meinung sein, das war sein gutes Recht, aber sein
gutes Recht war auch, dass er seinen Standpunkt erläutern konnte, ohne dass man
ihm ins Wort fiel. Das bestätigten schliesslich auch die anderen Mitglieder des
Ältestenrates, nachdem Coco ihn aufforderte, nicht albern zu sein. „Coco hat
Recht, so absurd sein Vorschlag und höchstwahrscheinlich auch sein Standpunkt
ist, er hat das Recht ihn vorzutragen.“
Coco bedankte sich kurz dafür, das Wort
zurückerhalten zu haben und fuhr mit seiner Erklärung fort. „Wir alle wissen um
die Gefahren, die in Spielcasinos lauern und wir wissen auch um die negativen
Einflüsse, die sogenannte Spielhöllen mit sich bringen, aber sie zu verbieten
ist definitiv der falsche Weg, denn alles, was verboten ist, ist umso
interessanter. Als weiteren Grund, den ich zu bedenken anregen möchte, ist der,
dass wir Teddybären sind und nicht nur zum Ausheulen und Trösten da sind,
sondern auch Ratgeber sein sollen. Wir wissen aber nie, in welche Situationen
wir mal kommen werden. Wie sollen wir zum Beispiel bei Spielsucht einen
vernünftigen Rat geben können, wenn wir selber noch niemals in einem Spielcasino
waren? Sicher, eure Einwände sind ebenfalls berechtigt, aber wir wissen auch,
dass es stets die Menge ist, die alles zum Gift macht. Das beste Beispiel ist ja
wohl das Gift der Escalupschlange. Absolut tödlich, in kleinen Mengen dosiert
aber eine hervorragende Medizin. Wenn wir jetzt ein Spielcasino hätten, wäre der
Reiz des Verbotenen weg und wir könnten ganz normal da rein gehen und jede Menge
Spass haben. Mit den Einnahmen aus diesem Casino könnten wir dann auch die lange
geplante Erweiterung des Hallenbades um eine Sauna finanzieren. Jetzt zu euren
berechtigten Einwänden: Ich habe mir überlegt, dass wir dem so entgegenwirken
können, dass wir um Wilderdbeersaftflaschen spielen. Jeder Teddy darf aber pro
Tag maximal drei Flaschen am Eingang kaufen. Sind sie verzockt, ist Schluss. Wenn
er gewinnt, ja dann fliesst bei ihm am Abend der Wilderdbeersaft eben in
Strömen. Soll ja auch sehr gesund sein.“
Der Ältesterrat begann zu grübeln. So
betrachtet war diese Idee gar nicht so dumm. Immer wieder hatten sie ja einige
Bärchen erwischt, wenn sie heimlich Poker spielten. Dem auf diese Weise
kontrolliert entgegen zu wirken und damit auch gleich noch die lang ersehnte
Sauna zu finanzieren, das war wahrhaftig ein Argument. So beschloss der Rat
schliesslich, dem Vorschlag zuzustimmen. Das Casino war ein voller Erfolg und
die Teddies hatten eine Menge Spass. Nicht nur beim Roulett, sondern auch beim
Tischfussball und Mensch-Ärger-Dich-Nicht, was im Teddydorf allerdings
Teddy-Ärger-Dich-Nicht hiess. Die Regel mit dem drei-Flaschen-Limit wurde von
allen akzeptiert und strikt befolgt. Dennoch konnte das Dorf bereits ein halbes
Jahr später, pünktlich zum Winteranfang, die neue Sauna, mit viel
Frei-Wilderdbeersaft, einweihen.
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