Der Zweck heiligt die Mittel
eine Geschichte von Martin,
dem sich die Bären anvertrauen

Lieber Martin, ich bin begeistert, was Dir Leara hier erzählt hat.
Und ich freue mich riesig, dass sich auch meine Duckie-Baeren Dir anvertrauen
und Du ihre Geschichten zur Verfügung stellst.
DANKE

* made by Martin A. Floessner *



Nachdem Khenan im Teddydorf erfolgreich für mehr Toleranz zwischen den Teddyrassen eingetreten war, zogen auch immer mehr Teddies anderer Clans in das Teddydorf und so gehören unter anderem die Sweet Little Duckies schon längst nicht mehr zu den "Exoten", sondern zum normalen Erscheinungsbild des Dorfes. Es war schon Standard, wenn wieder ein Duckie-Bär am Dorfeingang um Einlass bat; ganz und gar nicht Standard war jedoch die Erscheinung des letzten Duckie-Bärchens:

Leara stand, wie viele Duckie-Bären vor ihr, am Dorfeingang und bat um Einlass. Im Gegensatz zu den anderen hingegen war ihr Auftreten etwas fordernder. Sie stand vor dem Eingang des Dorfes, die Ärmchen in die Hüfte gestemmt und verlangte Einlass. "Lass mich rein, ich muss mal eben schnell vermittelt werden", forderte sie einen Teddy des Ältestenrates auf, "ich bleib eh nur ein paar Stunden, dann mach ich mich auch gleich auf den Weg. Die Adresse, an die ihr mich vermitteln werdet, habe ich einstecken", forderte sie weiter, ohne den anderen Teddy überhaupt zu Wort kommen zu lassen. So etwas hatte der Teddy des Ältestenrates noch nie erlebt und er hatte schon eine ganze Menge erlebt, er war ja schliesslich ein Prim-Bär. "ähm, so geht das aber jetzt nicht", stammelte er, nachdem er sich etwas von Leara's burschikosem Auftritt erholt hatte, "jeder Bär muss zunächst einmal in der Schule auf seinen späteren Einsatz geschult werden, bevor er vermittelt wird. Kannst du alles in unseren Statuten nachlesen und dann gibt es eine Wunschliste der zu vermittelnden Teddybären und eine Empfehlungsliste der Lehrer und aus den Listen und den Gesuchen entscheidet dann der Ältestenrat..."

"Jetzt halt mal kurz die Luft an”, unterbrach ihn Leara, "bis du mit deinem Gesülze von Listen und dem ganzen Mist fertig bist, bin ich selber ein Prim-Bär, das hier ist ein Notfall und da werde ich noch heute hin vermittelt und damit basta. Sag das den anderen Grufties aus eurem Rat!" Der Teddy nahm Leara's Zettel und ging mit ihr zu den anderen Mitgliedern des Ältestenrates, denn mit dieser resoluten kleinen Lady wurde er nicht fertig. Auch der Ältestenrat versuchte nun Leara von den Statuten und dem üblichen Ablauf zu überzeugen, doch sie blieb stur. "Ich muss da hin, denn ich muss aufpassen, dass sich das Mädel nicht um jeden kümmert. Sie hilft einfach jedem, von dem sie auch nur annimmt, dass er/sie Hilfe braucht und wird dabei wie oft von den Menschen enttäuscht, wenn ich da nicht augenblicklich hinreise, dann gibt das ein Fiasko! Was sie aber jetzt braucht, das ist ein Aufpass- und Einschreit-Teddy, so wie ich einer bin, der nicht immer alles blauäugig glaubt, was man ihm vorsetzt, sondern erst einmal kritisch hinterfragt und wenn ihr mich nicht sofort dahin vermittelt, könnt ihr bald das halbe Dorf als Tröst-Bären dorthin schicken!”

Da war ja nun wirklich was dran, aber sie hatten eben auch ihre Statuten, wenn sie diese brechen würden, hätten sie über kurz oder lang eine Anarchie im Dorf. Andererseits war das ein wirklicher Notfall und sie verfügten im Dorf über jede Menge weiser Prim-Bären, die als Berater fungieren und auch Knuddel-Teddies zum Trösten gab es einige, dann waren da noch ein paar Gute-Laune-Bären und diverse Glücksbären, aber ein Aufpass- und Einschreit-Teddy, nein so einer war nicht frei. Aber wie sie es auch drehten, es gab nur wenige Statuten im Dorf und die galt es strikt zu befolgen, befolgten sie sie jedoch, müssten sie wahrscheinlich schon bald wahrhaftig eine ganze Armee von Tröst-Teddies losschicken. Eine verherende Zwickmühle!

Auch Leara, die sich inzwischen etwas abgeregt hatte und diese schwierige Problematik einsah, grübelte nach einer für beide Seiten vertretbaren Lösung. Leara und der Ältestenrat diskutierten viele Stunden über das Problem, bis Leara die entscheidende Idee hatte: "Wenn in diesem speziellen Falle die Statuten in der gesetzlichen Form zur Anwendung kämen, dann hätte dies zur Folge, dass viele Tröstbären verschickt werden müssten, die nicht verschickt werden müssten, wenn dieses Statut ausser Kraft gesetzt werden könnte, richtig?" "Richtig", stimmte der Ältestenrat zu, "das Problem ist nur, dass wir es nicht ausser Kraft setzen können".

"Moment", warf Leara ein, "Diese Tröstbären müssten dann also eine Aufgabe übernehmen, deren Ursache letztendlich von dem Dorf selbst zu verantworten wäre, richtig?" "Ja, auch richtig, aber das löst immer noch nicht unser Problem!", jammerte der Dorfälteste. "Doch, genau das tut es", Leara liess nicht locker, "Denn dadurch müssten viele Tröst-Teddies ausbaden, was wir letztendlich selber verursacht haben und diese Teddies fehlen dann an den Stellen, für die sie eigentlich vorgesehen sind und das wiederum sorgt für denkbar schlechte Laune im Dorf. Schlechte Laune wiederum ist per Teddygesetz aber streng verboten. Um also einem allgemeinen Verstoss gegen die Statuten entgegen zu wirken, ist es unumgänglich, in diesem speziellen Notfall eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Eine Ausnahmegenehmigung besagt schon im Wort, dass dieses eine Statut nicht aufgehoben ist, sondern lediglich in einem Ausnahmefall zur Verhinderung schwerwiegenderer Verstösse und zur Verhinderung eines schlimmeren Schicksals ausnahmsweise nicht zur Anwendung kommt. Damit ist den Statuten gedient und dem Wohle unseres Notfalls und dem Wohle des gesamten Dorfes." Diese Idee war jetzt einfach nur genial und der Ältestenrat unterschrieb nach kurzer Abstimmung sofort die Ausnahmegenehmigung.

"Viel Glück!", sagte der Dorfälteste noch zu Leara, bevor sie sich auf den Weg machte, "Die Ausnahmegenehmigung hast du ja nun, und wir, so denke ich im Namen aller sprechen zu können, haben mal wieder etwas dazugelernt."