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Nachdem
Khenan im Teddydorf erfolgreich für mehr Toleranz zwischen den
Teddyrassen eingetreten war, zogen auch immer mehr Teddies anderer
Clans in das Teddydorf und so gehören unter anderem die Sweet
Little Duckies schon längst nicht mehr zu den "Exoten",
sondern zum normalen Erscheinungsbild des Dorfes. Es war schon
Standard, wenn wieder ein Duckie-Bär am Dorfeingang um Einlass
bat; ganz und gar nicht Standard war jedoch die Erscheinung des letzten
Duckie-Bärchens:
Leara stand, wie viele Duckie-Bären vor ihr, am Dorfeingang
und bat um Einlass. Im Gegensatz zu den anderen hingegen war ihr
Auftreten etwas fordernder. Sie stand vor dem Eingang des Dorfes, die
Ärmchen in die Hüfte gestemmt und verlangte Einlass.
"Lass mich rein, ich muss mal eben schnell vermittelt werden", forderte
sie einen Teddy des Ältestenrates auf, "ich bleib eh nur ein
paar Stunden, dann mach ich mich auch gleich auf den Weg. Die Adresse,
an die ihr mich vermitteln werdet, habe ich einstecken", forderte sie
weiter, ohne den anderen Teddy überhaupt zu Wort kommen zu
lassen. So etwas hatte der Teddy des Ältestenrates noch nie
erlebt und er hatte schon eine ganze Menge erlebt, er war ja
schliesslich ein Prim-Bär. "ähm, so geht das aber
jetzt nicht", stammelte er, nachdem er sich etwas von Leara's
burschikosem Auftritt erholt hatte, "jeder Bär muss
zunächst einmal in der Schule auf seinen späteren
Einsatz geschult werden, bevor er vermittelt wird. Kannst du alles in
unseren Statuten nachlesen und dann gibt es eine Wunschliste der zu
vermittelnden Teddybären und eine Empfehlungsliste der Lehrer
und aus den Listen und den Gesuchen entscheidet dann der
Ältestenrat..."
"Jetzt halt mal kurz die Luft an”, unterbrach ihn Leara, "bis
du mit deinem Gesülze von Listen und dem ganzen Mist fertig
bist, bin ich selber ein Prim-Bär, das hier ist ein Notfall
und da werde ich noch heute hin vermittelt und damit basta. Sag das den
anderen Grufties aus eurem Rat!" Der Teddy nahm Leara's Zettel und ging
mit ihr zu den anderen Mitgliedern des Ältestenrates, denn mit
dieser resoluten kleinen Lady wurde er nicht fertig. Auch der
Ältestenrat versuchte nun Leara von den Statuten und dem
üblichen Ablauf zu überzeugen, doch sie blieb stur.
"Ich muss da hin, denn ich muss aufpassen, dass sich das Mädel
nicht um jeden kümmert. Sie hilft einfach jedem, von dem sie
auch nur annimmt, dass er/sie Hilfe braucht und wird dabei wie oft von
den Menschen enttäuscht, wenn ich da nicht augenblicklich
hinreise, dann gibt das ein Fiasko! Was sie aber jetzt braucht, das ist
ein Aufpass- und Einschreit-Teddy, so wie ich einer bin, der nicht
immer alles blauäugig glaubt, was man ihm vorsetzt, sondern
erst einmal kritisch hinterfragt und wenn ihr mich nicht sofort dahin
vermittelt, könnt ihr bald das halbe Dorf als
Tröst-Bären dorthin schicken!”
Da war ja nun wirklich was dran, aber sie hatten eben auch ihre
Statuten, wenn sie diese brechen würden, hätten sie
über kurz oder lang eine Anarchie im Dorf. Andererseits war
das ein wirklicher Notfall und sie verfügten im Dorf
über jede Menge weiser Prim-Bären, die als Berater
fungieren und auch Knuddel-Teddies zum Trösten gab es einige,
dann waren da noch ein paar Gute-Laune-Bären und diverse
Glücksbären, aber ein Aufpass- und Einschreit-Teddy,
nein so einer war nicht frei. Aber wie sie es auch drehten, es gab nur
wenige Statuten im Dorf und die galt es strikt zu befolgen, befolgten
sie sie jedoch, müssten sie wahrscheinlich schon bald
wahrhaftig eine ganze Armee von Tröst-Teddies losschicken.
Eine verherende Zwickmühle!
Auch Leara, die sich inzwischen etwas abgeregt hatte und diese
schwierige Problematik einsah, grübelte nach einer
für beide Seiten vertretbaren Lösung. Leara und der
Ältestenrat diskutierten viele Stunden über das
Problem, bis Leara die entscheidende Idee hatte: "Wenn in diesem
speziellen Falle die Statuten in der gesetzlichen Form zur Anwendung
kämen, dann hätte dies zur Folge, dass viele
Tröstbären verschickt werden müssten, die
nicht verschickt werden müssten, wenn dieses Statut ausser
Kraft gesetzt werden könnte, richtig?" "Richtig", stimmte der
Ältestenrat zu, "das Problem ist nur, dass wir es nicht ausser
Kraft setzen können".
"Moment", warf Leara ein, "Diese Tröstbären
müssten dann also eine Aufgabe übernehmen, deren
Ursache letztendlich von dem Dorf selbst zu verantworten wäre,
richtig?" "Ja, auch richtig, aber das löst immer noch nicht
unser Problem!", jammerte der Dorfälteste. "Doch, genau das
tut es", Leara liess nicht locker, "Denn dadurch müssten viele
Tröst-Teddies ausbaden, was wir letztendlich selber verursacht
haben und diese Teddies fehlen dann an den Stellen, für die
sie eigentlich vorgesehen sind und das wiederum sorgt für
denkbar schlechte Laune im Dorf. Schlechte Laune wiederum ist per
Teddygesetz aber streng verboten. Um also einem allgemeinen Verstoss
gegen die Statuten entgegen zu wirken, ist es unumgänglich, in
diesem speziellen Notfall eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Eine
Ausnahmegenehmigung besagt schon im Wort, dass dieses eine Statut nicht
aufgehoben ist, sondern lediglich in einem Ausnahmefall zur
Verhinderung schwerwiegenderer Verstösse und zur Verhinderung
eines schlimmeren Schicksals ausnahmsweise nicht zur Anwendung kommt.
Damit ist den Statuten gedient und dem Wohle unseres Notfalls und dem
Wohle des gesamten Dorfes." Diese Idee war jetzt einfach nur genial und
der Ältestenrat unterschrieb nach kurzer Abstimmung sofort die
Ausnahmegenehmigung.
"Viel Glück!", sagte der Dorfälteste noch zu Leara,
bevor sie sich auf den Weg machte, "Die Ausnahmegenehmigung hast du ja
nun, und wir, so denke ich im Namen aller sprechen zu können,
haben mal wieder etwas dazugelernt."
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